Warum die Menschen nicht mehr wissen, wann sie sterben müssen
In alten Zeiten, als unser Herrgott noch manchmal auf Erden wandelte und dort selbst nach dem Rechten sah, kam er einmal auch durch Südmähren. In Klein-Olkowitz sah er einen Mann, der an einem Zaun aus Brennnesseln flocht.
„Warum machst du deinen Zaun nicht aus Holz wie die anderen Leute?“ soll der Herrgott den Mann gefragt haben.
Dieser blickte ihn mürrisch an und erwiderte: „Weil ich weiß, daß ich bald sterben muß. Für mich hält der Zaun lange genug. Und die anderen sollen sich selber einen machen!“ Die unfreundliche Antwort und die Eigensucht des Bauern verdrossen den Herrn sehr und er sagte zu seinem Jünger Petrus, der ihn begleitete: „Von heute an soll kein Mensch mehr wissen, wann er sterben muß.“ Und so ist es geblieben bis auf den heutigen Tag.
Quelle: Tielsch-Felzmann, Ilse: Südmährische Sagen, München: Heimatwerk, 1969, S. 83f.





