Die Schreckstaudn bei Possitz
Etwas unterhalb des Bahnhofes von Possitz, in der Richtung gegen Grusbach zu, befindet sich ein Akazienwäldchen, das im Volksmund „Die Schreckstaudn“ heißt.
Wo heute die Geleise der Bahn entlangführen, ging in alten Zeiten eine sehr wichtige Straße vorbei, auf der das Salz aus Polen und Ungarn nach Mähren gebracht wurde. Man nannte diese Straße die Salzstraße und von ihr hing es ab, ob das so notwendige Salz für die Leute in den Dörfern und Städten Mährens angefahren werden konnte.
Viele Fuhrwerke rollten die Salzstraße entlang und Roß und Wagenlenker fanden Herberge und Stärkung in den vielen, an den Straßenrändern liegenden Einkehrhäusern und Gaststätten.
Ein solches Wirtshaus stand gleich neben dem Akazienwäldchen, bereit, die müden Fuhrleute aufzunehmen, ihre Rosse zu tränken und ihnen Nahrung zu bieten. Es war ein freundliches Haus mit netten Wirten und niemand konnte sich erklären, wieso es dort nicht mit rechten Dingen zuging. Einmal fehlten etliche Säcke Salz auf dem Wagen, einmal war ein Fuhrmann spurlos verschwunden, einmal fand man die Pferde am Morgen nicht mehr, obwohl sie am Abend sorgfältig angebunden worden waren.
Schließlich begannen die Fuhrleute das Haus zu meiden und die Herberge, von der man nur mehr als vom „Räuberwirtshaus“ sprach, wurde der Schrecken der Gegend.
Endlich gelang es, die Räuber, die dort ihr Unwesen trieben, zu fangen. Sie wurden alle gehängt. Das Haus aber verfiel und über die Mauerreste wucherte der Wald, der von da an die Schreckstaudn hieß.
Quelle: Tielsch-Felzmann, Ilse: Südmährische Sagen, München: Heimatwerk, 1969, S. 85f.





