Der Stein vor dem Glockenhause von Klein-Olkowitz
Beim Federnschleißen saßen an einem stürmischen Winterabend einige Burschen und Mädchen in Klein-Olkowitz beisammen und vertrieben sich die Zeit mit allerlei Erzählungen und Späßen. Als sie ihre Arbeit beendet hatten und gegen Mitternacht heimgingen, sahen sie beim Glockenhause einen feurigen Mann herumschleichen, der einen großen Stein unter dem Arm trug und ununterbrochen heulte: "Wo soll ich meinen Stein hinlegen? Wo soll ich meinen Stein hinlegen?"
Entsetzt blieben sie stehen und starrten zu dem Feuermann hinüber, der jedoch in seinem Geheul fortfuhr.
Unter den Federnschleißern war ein Mädchen, das für sein loses Mundwerk berühmt war. Auch diesmal konnte sie ihre vorwitzige Zunge nicht im Zaum halten und als der feurige Mann wieder einmal um die Ecke bog und kläglich fragte, wo er seinen Stein denn nun endlich hinlegen sollte, rief sie ihm zu:
"Leg ihn doch dorthin, wo du ihn geholt hast!" Augenblicklich ließ der Feurige seinen Stein fallen und war mit einem Sprung bei dem Mädchen.
„Vergelt's Gott, du hast mich erlöst!“ schrie er und fuhr ihr dabei mit seiner glühenden Pranke über die rechte Wange.
Das Mädchen fiel in Ohnmacht und mußte schwer verbrannt nach Hause getragen werden.
Der Stein aber blieb vor dem Glockenhause liegen und wurde später beim Umbau des Halterhauses in die Grundmauer eingesetzt.
Quelle: Tielsch-Felzmann, Ilse: Südmährische Sagen, München: Heimatwerk, 1969, S. 81f.





