Die Zerstörung der Holzburg Joslowitz
Am rechten Thayaufer, zwischen den Städten Znaim und Laa an der Thaya, erhob sich einst eine ganz aus Holz gebaute, landesfürstliche Burg. Siebenhundert Menschen, darunter zweihundert Frauen mit ihren Kindern, suchten Schutz in ihren Höfen und Türmen, als Herzog Rudolf von Österreich mit seinen Soldaten näherrückte.
Es war keine lange Belagerung, die an einem hellen Sommermorgen begann. Die Österreicher, ihres Sieges sicher, gewährten den eingeschlossenen Bürgern nicht den verlangten freien Abzug. Ehe die Bewohner der Burg noch imstande waren, sich zu wehren, warfen die Feinde Feuerbrände in die Höfe.
Das trockene Holzwerk fing Feuer und brannte wie Zunder. Frauen sprangen von dem ebenfalls aus Holz erbauten brennenden Turm in die Tiefe. Unten aber wurden sie von den Söldnern derart mißhandelt, daß die übrigen Menschen lieber den Tod in den Flammen suchten, als ihnen in die Hände zu fallen. Drei Tage lang brannte die Holzburg und niemand entkam dem entsetzlichen Feuer.
Als die Verwandten der so elend Umgekommenen kamen, um den Herzog zu bitten, nach den verbrannten Eltern, Geschwistern und Kindern suchen zu dürfen, sollen selbst die harten Soldaten Rudolfs vor Mitleid und Reue bitterlich geweint haben.
Die Holzburg Joslowitz wurde nie wieder aufgebaut.
Quelle: Tielsch-Felzmann, Ilse: Südmährische Sagen, München: Heimatwerk, 1969, S. 78.





